„Visionen statt Technokratie“

Gabriels Kampfansage gegen Schäubles Europapolitik : https://www.welt.de/politik/deutschland/article169545702/Gabriels-Kampfansage-gegen-Schaeubles-Europapolitik.html

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Inflation

Die EZB hat ein Ziel, das sie gebetsmühlenartig kommuniziert: Auf mittlere Sicht eine Inflationsrate unter, aber nahe 2 Prozent zu erreichen. 2 Prozent, das bedeutet: 100 Euro sind, gemessen an der Kaufkraft, nach einem Jahr real 98 Euro wert, nach zehn Jahren nur noch 82 Euro. Und um an die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts zu erinnern, als Altkanzler Helmut Schmidt von sich gab, 5 Prozent Inflation seien nicht so schlimm wie 5 Prozent Arbeitslosigkeit: 100 Euro verkümmern bei solch einer Inflation nach zehn Jahren zu einem realen Wert von gerade mal etwas über 61 Euro.
Alles nur Zahlenspiele? Von wegen! In Wahrheit geht es darum, die eher auf Wirtschaftswachstum und auf immer höhere Schulden als auf stabiles Geld ausgerichtete Zinspolitik der Zentralbanken zu rechtfertigen. Und schon beginnt die EZB, klammheimlich das von ihr als zulässig erklärte Inflationsziel auf 4 Prozent und darüber hochzuschieben.
Inflation ist gewollt und geplant
Wie auch immer, die Zahlenspiele entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage. Zentralbanker setzen sie einfach in die Welt, als sei mit ihnen eine Punktlandung möglich. Das soll zwar besonders überzeugend wirken; Tatsache ist jedoch, dass jegliche Inflation – ob zuletzt 1,1 Prozent im Euroraum, immerhin schon 1,9 Prozent im Januar in Deutschland, aktuell zweistellig in der Türkei oder vor Jahren mehrere tausend Prozent in Simbabwe – ein dynamischer Prozess ist: Steigende Inflationsraten ziehen nachgewiesenermaßen Inflationserwartungen und Inflationsmentalität nach sich. So kann eine relative Preisstabilität nahe 2 Prozent schon bald in eine dauerhaft schleichende Inflation münden und diese zunächst in eine trabende, später in eine geloppierende und schlimmstenfalls in eine Hyper-Inflation ausarten, wie Deutschland sie vor nahezu einem Jahrhundert erlebt hat.
Inflation – importiert, hausgemacht und politisch gewollt
Diesen Zusammenhang sollte im Auge behalten, wer sich bisher allein Gedanken darüber gemacht hat, ob Draghi das von ihm angepeilte Inflationsziel 2018 oder erst 2019 erreicht – oder aber bereits in diesem Januar oder Februar. Im Übrigen genügen ein paar Blicke auf die nach oben geschossenen Charts von Rohstoffen wie Zink, Nickel, Blei, Zinn und zuletzt auch Kupfer, um zum Ergebnis zu kommen, dass der Basiseffekt über den Ölpreis hinaus wirkt: Wir importieren Inflation. Und wir produzieren unsere eigene Inflation: Die Gewerkschaften setzen höhere Löhne durch – die früher oder später in den Preisen landen; zum Teil oder sogar nur als Anlass für Preissteigerungen genommen werden. Inflationspolitik der EZB, die damit die Staatsschulden entwerten will, importierte Inflation und hausgemachte – das ist eine gefährliche Mischung, die früher und schneller als geplant ihre teuflische Wirkung entfalten kann.
Denn viel wichtiger als das Nachdenken über Draghis Zeitplan zum Inflationsziel oder über die durch Eurostat und Destatis ermittelten statistischen Daten ist das Studium von Phänomenen, die während inflationärer Zeiten immer schon ihre Wirkung entfalteten: Wegen höherer Rohstoffpreise teurer gewordene Vorprodukte führen zu Preisaufschlägen bei Endprodukten. Es kommt zu Zweitrunden-Effekten (zum Beispiel wollen Bezieher fester Einkommen einen Inflationsausgleich haben und sind zum Streik bereit). Eine allgemeine Flucht in Sachwerte (oder was man dafür hält) setzt ein, üblicherweise Asset Inflation genannt, sodass nach Aktienkursen und Immobilienpreisen auch die Preise von Gold, Silber und anderen Edelmetallen, ja sogar von Hobbyanlagen, wie Kunstwerken, Antiquitäten und Oldtimern, nicht mehr zu halten sind. Deren Preise gehen nicht in die statistische Preissteigerungsrate ein – und trotzdem spürt sie jeder, der beispielsweise ein Haus oder Wohnung kaufen will.
Entwickeln Sie einen Anti-Inflations-Finanzplan
Das Ganze findet nicht abrupt, sondern in Schüben statt. Wir alle sind gut beraten, einen persönlichen, auf die individuellen Ziele und Wünsche abgestimmten Anti-Inflations-Finanzplan zu entwickeln. Dazu gehören zuvorderst: die Auswahl geeigneter Anlagen, deren Streuung über mehrere Kategorien und ein möglichst gutes Timing. Individuelle Ziele und Wünsche, das sind beispielsweise: die Altersvorsorge, größere Anschaffungen und die Ausbildung der Kinder. Wer diese Ziele in Angriff nimmt und die entsprechenden Ausgaben hochrechnet, stellt schnell fest, dass zu ihrem Erreichen mindestens sechsstellige Beträge erforderlich sein werden. Also gilt es, solche Anlagen zu finden, zu streuen und zu timen, die diesen Zielen gerecht werden.
Zur Auswahl stehen grundsätzlich: Bares auf dem Tages- oder Festgeldkonto bis 100.000 Euro pro Person und Bank (darüber greift nicht mehr die gesetzliche Einlagensicherung), Anleihen, Aktien, selbst genutzte und/oder vermietete Immobilien, Fonds, Gold, Silber Ackerland, Wald und von Fall zu Fall auch die erwähnten Hobbyanlagen. Multimillionäre und Milliardäre haben es leicht, daraus eine geeignete Mischung zu erstellen. Denn im Gegensatz zu einfachen oder Nicht-Millionären brauchen sie kein Klumpenrisiko einzugehen, das entsteht, sobald Anleger ihr Geld zum Beispiel immobilienlastig investiert haben.
Schützen Aktien vor Inflation?
Man könnte nun behaupten: glückliche Reiche. Doch das wäre ein Trugschluss. Denn auch wer zu den Multimillionären bis aufwärts zu den Milliardären gehört, muss Auswahl und Timing beachten. Hinzu kommt der wuselige Kampf gegen hohe Steuern, vor allem dann, wenn neben Privat- auch Betriebsvermögen im Spiel ist. Wer über ein hohes Vermögen verfügt, muss sich außerdem der zahlreichen Pseudo-Berater erwehren, die überwiegend prozyklisch solche Anlagen empfehlen, die ihre beste Zeit hinter sich haben, zum Beispiel viele Aktien-, Misch- und Immobilienfonds, Wohn- und Gewerbeimmobilien, darüber hinaus allerlei Zertifikate, über deren Existenzberechtigung man streiten kann.
Wie ist es um Aktien als Schutz vor Inflation bestellt? Wer mindestens ein Jahrzehnt – besser noch mehr – an Zeit mitbringt, dürfte nach den bisherigen Erfahrungen im Prinzip geschützt sein. Allerdings vorausgesetzt, Mischung und Timing stimmen. Banker schlagen zur Risikostreuung Aktienfonds vor. Aber in erster Linie nicht so sehr, weil sie von der Mischkunst der Fondsmanager überzeugt wären, sondern in erster Linie wegen der Ausgabeaufschläge, Gebühren und Provisionen, die bei Fondsgesellschaften und Banken landen. Zu diesem Themenkomplex passt, was einst der Fondsmanager Peter Lynch, der in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts extrem erfolgreich war, Anlegern riet: „Der durchschnittliche Kapitalanleger verfügt über alle notwendigen Voraussetzungen, um im Aktienmarkt erfolgreich sein zu können.“
Eiserne Disziplin, starke Nerven und viel Geduld
Daraus folgt: Beschäftigen Sie sich mit Aktien, und zwar so früh und so intensiv wie möglich, über Hausse und Baisse hinweg. Zu Beginn lassen Sie genügend Zeit verstreichen, in der Sie die Entwicklung der Aktienkurse nur verfolgen, ohne gleich Aktien zu kaufen. Gehen Sie bottom up vor. Das heißt, konzentrieren Sie sich auf Kurse, Kennzahlen, sonstige Informationen, Geschäfts- und Quartalsberichte einzelner Unternehmen und schenken Sie top down der Konjunktur, der Geldpolitik, den übrigen Makrothemen und dem von den Medien penetrant viel zu wichtig genommenen Dax eher nur nebenbei Beachtung.
Gelingt Ihnen dann noch ein halbwegs geschicktes Timing, können Sie davon ausgehen, dass Ihre Aktien Sie auf Dauer vor Inflation schützen. Verteilen Sie Ihren Einsatz so auf verschiedene Aktien, dass Sie jederzeit den Überblick behalten, kaufen Sie sie sukzessive und halten Sie immer etwas Liquidität auf dem Tagesgeldkonto vor, um bei passender Gelegenheit Schnäppchenkurse für besonders günstige Käufe zu nutzen. Zu all dem gehören: eiserne Disziplin, starke Nerven und viel Geduld.
Das Internet ist eine wahre Aktien-Informations-Fundgrube
Was für Aktien kommen infrage? Es gibt zig Möglichkeiten, die richtigen zu finden. Die interessantesten gehören nicht zu den Standardwerten aus Dax oder Dow Jones, sondern zu den Neben- und Spezialwerten, deren Kursentwicklung viel dynamischer verläuft. Wie findet man sie? Dazu erweist sich – nachdem man entschieden hat, ob sie eher Kursgewinne oder hohe Dividendenrenditen bescheren sollen – zunächst das Internet als wahre Fundgrube für allerlei Anregungen. Hier ein paar Beispiele:

 Während Anleger die Chance haben, sich wie beschrieben in Aktien zu vertiefen und dadurch mit einigem Geschick vor Inflation zu schützen, sieht die Sache bei Gold und Silber etwas anders aus. Vorab ist zu unterscheiden zwischen einerseits Gold als Edelmetall zur Geldanlage bzw. Hortung bei nur geringfügiger industrieller Verwendung außerhalb der Schmuckindustrie und andererseits Silber als zur Hälfte Industrie-, zur anderen Hälfte Anlage- bzw. Spekulationsmetall. Doch die Verwendung mag noch so unterschiedlich sein, der Preistrend beider Edelmetalle zielt mittel- bis langfristig in dieselbe Richtung, wobei die kurzfristigen Ausschläge des Silberpreises heftiger sind.

Konzentrieren wir uns aufs Gold, das – über mehrere Jahrzehnte betrachtet – seine Kaufkraft erhält und damit als Schutz vor Inflation geeignet ist. Das schließt indes nicht aus, dass sein Preis schwankt: In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts ging es mit ihm kräftig aufwärts, danach zwei Jahrzehnte lang abwärts, dann ein Jahrzehnt lang aufwärts und in der Folge für viereinhalb Jahre abwärts mit anschließender Preiserholung, die nur ein halbes Jahr anhielt und zuletzt in eine neue Erholung mündete – alles in allem sicher nichts für schwache Nerven.
Eine Wette gegen Papiergeld
Aber wie konnte es unter solchen Umständen dazu kommen, dass ein gestandener Ex-Banker wie Oswald Grübel, früher Chef der Großbanken Credit Suisse und UBS, im Manager Magazin vom vergangenen Oktober empfahl, den Goldanteil bei Anlagen auf 30 Prozent zu erhöhen? Grübels Antwort: Angesichts der Geldschwemme vonseiten der Zentralbanken sei Gold günstig zu haben. Also eine Wette gegen Papiergeld in all seinen Varianten (Bares, Konten, Anleihen, Rentenfonds, Kapitallebensversicherungen), auch fiat money genannt (übersetzt: es werde Geld) oder Helikoptergeld (Symbol dafür, dass Zentralbanker es beliebig aus dem Hubschrauber werfen können). Kurzum, der Wert des Geldes (Dollar, Euro, Franken, Yen, Yuan und so weiter) und damit seine Kaufkraft schwindet, weil Zentralbanken es nach Gusto vermehren und so den Schuldenberg ins Unendliche wachsen lassen können. Dagegen ist Gold nicht beliebig vermehrbar.
Dadurch erfährt Gold seit Jahrtausenden eine Wertschätzung über alle Kontinente hinweg. Es dient gewissermaßen als global anerkannter Wertspeicher. Doch damit haben sich seine Funktionen noch nicht erschöpft. Gold bedeutet auch: internationale Liquidität, Währungsreserve, Versicherung, Rohstoff für die Schmuckindustrie, Spekulationsobjekt, Mythos – und nicht zu vergessen seine Funktion als Geldanlage, die zwar zinslos bleibt, aber zu bestimmten Zeiten erfolgreich gegen andere Anlageklassen konkurriert. Wie jetzt, da die Inflationsrate steigt. Gold kann man nicht allein bei Banken und Sparkassen, sondern – einschließlich einer empfehlenswerten Beratung – bei spezialisierten Edelmetallhändlern kaufen und auch wieder verkaufen. Platzhirsche im Filalgeschäft sind nach einem aktuellen Test von Focus Money: proaurum.de, degussa-goldhandel.de, mp-edelmetalle.de und gfmshop.de. Weitere Informationen zu Edelmetallhändlern kann man auf goldseiten.de finden.
Das Märchen vom Betongold
Die Wertschätzung des Goldes manifestiert sich auch in einem Begriff, der mit dem Edelmetall rein gar nichts nichts zu tun hat: Betongold. Damit sind Immobilien gemeint. Welche, bleibt allerdings unklar. Zur Auswahl stehen: selbst genutzte oder vermietete Wohnhäuser bzw. einzelne Wohnungen, Bürohäuser, Einkaufszentren, Hotels und sonstige überwiegend in offene oder geschlossene Fonds verpackte Gewerbeimmobilien, Ferienhäuser in Deutschland und anderswo, Ackerland und Wald. Noch heterogener geht es wahrlich nicht. Trotzdem ist das Märchen vom Betongold als solchem nicht aus den Köpfen derer zu bekommen, die mit dem Verkauf von Immobilien und ihrer Finanzierung viel Geld verdienen und das Märchen ihren Kunden einfach ungefiltert weitererzählen.
Zugegeben, die Preise der Wohnimmobilien sind während der vergangenen Jahre in deutschen Metropolen, in Universitätsstädten und mittlerweile auch in sogenannten B- und C-Lagen so kräftig gestiegen, dass hier und da schon von einer Blase gesprochen wird. Öffentlich weniger beachtet und noch viel mehr in die Höhe geschossen sind die Preise von gutem Agrarland und Wald. Doch diese Entwicklung in die Zukunft fortzuschreiben, ist unseriös, zumal die Mietrenditen von Wohnimmobilien ebenso wie die Pachten von Agrarland und Wald inzwischen viel niedriger sind als die Dividendenrenditen der meisten deutschen Aktien. Wer zu teuer kauft, kauft sich Unglück -und bei teuren Immobilien demgemäß großes Unglück.
Steuern führen zum Immobilien-Tohuwabohu
Vergleicht man die Wertsteigerung deutscher Aktien mit der von Wohnimmobilien in attraktiven Lagen seit Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 bis heute, ergibt sich in etwa ein Gleichstand. Eine konkretere Aussage ist allein schon deshalb kaum möglich, weil Immobilienpreise im Gegensatz zu Aktienkursen nicht börsentäglich ermittelt werden, sondern erst beim Verkauf ihren Marktwert preisgeben. Und was den Vergleich zusätzlich erschwert: Aktien sind eine der liquidesten Anlageklassen, können also heute gekauft und morgen wieder verkauft werden. Dagegen dauert es in der Regel mindestens mehrere Tage, eher Wochen und in manchen Fällen sogar Monate, bis der Notartermin zum Immobiliendeal steht. Im Übrigen bergen Immobilien für die meisten Menschen ein Klumpenrisiko, weil sie einen Großteil von deren Vermögen ausmachen.

Total kompliziert wird die Bewertung von Wohnimmobilien einschließlich ihrem Vergleich mit Aktien durch das Steuerrecht. Während Kursgewinne und Dividenden aus Aktien seit Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 mit 25 Prozent zuzüglich Soli und ggf. Kirchensteuer belastet werden, ist es bei Immobilien ungleich komplizierter: Im Zuge des Kaufs wird Grunderwerbsteuer fällig (je nach Bundesland bis zu 6,5 Prozent). Selbst genutzte Immobilien haben, abgesehen von solchen unter Denkmalschutz, nur wenig bis gar nichts mit Steuern zu tun; ihre Wertsteigerungen bleiben unabhängig von der Haltedauer steuerfrei. Wertsteigerungen aus vermieteten Immobilien unterliegen hingegen bei einer Haltedauer unter zehn Jahren der Einkommensteuer zum persönlichen Steuersatz; bei einer Haltedauer von mehr als zehn Jahren sind sie steuerfrei. In diesem Tohuwabohu eine präzise Antwort auf die Frage zu finden, ob und inwieweit Immobilien vor Inflation schützen, ist schlicht und einfach unmöglich. Die einzig mögliche Antwort: Kann sein, kann nicht sein.

Anleihen: Inflationsindexiert bedeutet kompliziert
Eine in Deutschland bislang eher stiefmütterlich behandelte, aber allmählich im Kommen begriffene Anlageklasse sind inflationsindexierte Anleihen, auch Linker genannt. Sie können unter bestimmten Voraussetzungen tatsächlich vor Inflation schützen, sind jedoch komplizierter konstruiert, als auf Anhieb zu vermuten wäre. Hier nur so viel: Ihr Nominalzins wird mit einem Quotienten verrechnet, der die Inflation widerspiegelt. Je höher die Inflation steigt, desto mehr steigt mit ihr der Quotient. Dadurch bewirkt er, dass Anleger laufend und am Ende der Laufzeit eines Linkers mehr Geld erhalten, als wenn sie eine nicht inflationsindexierte Anleihe gekauft hätten.
So weit die Theorie. Nun zur Praxis, dargestellt an sechs Linkern des Bundes, die zurzeit im Umlauf sind (Wertpapier-Kennnummern in Klammern). Laufzeit bis April 2018 (103053), bis April 2020 (103052), bis April 2023 (103054), bis April 2026 (103056), bis April 2030 (103055), bis April 2046 (103057). Faustregel Nummer eins: Je länger die Laufzeit, desto stärker schwanken die Kurse dieser Anleihen, im Extremfall bei der zuletzt genannten seit ihrer Emission im Jahr 2015 zwischen etwas über 100 bis zu mehr als 130 Prozentpunkten. Faustregel Nummer zwei: Linker funktionieren als passables Liquiditätspolster, abgesehen von ihrer Laufzeit, nur unter der Bedingung, dass die Inflation kräftig anzieht. Faustregel Nummer drei: Ihre Kurse steigen mit fallenden und fallen mit steigenden Anleihrenditen. Alles in allem also eine wirklich komplizierte Angelegenheit. Dennoch: Wer Linker zu günstigen Kursen erwischt – Broker wie comdirect.de erstellen jeweils aktuell die dazugehörigen Charts – und bei den Restlaufzeiten die Jahre bis 2020 und 2023 bevorzugt, kann nicht allzu viel falsch machen. Dagegen sind längere Restlaufzeiten eher für spekulativ orientierte Anleger geeignet.
Es wird höchste Zeit
Wie nicht anders zu erwarten, gibt es auf die Frage, welche Anlagen vor Inflation schützen, keine allgemein gültige Antwort. Es kommt halt auf die individuellen Lebensumstände, auf Anlageziele, auf das Timing und darauf an, wie intensiv man sich mit dem Thema Geld in all seinen Varianten beschäftigen kann. Immerhin ist eines klar: Geldwerte taugen lediglich als kurzfristige Parkplätze, etwa in Form von Tagesgeld als zwischenzeitliche Barreserve, nicht dagegen als Daueranlage. Und Sachwerte sind zwar auf lange Sicht attraktiver, aber nur dann, wenn das Timing einigermaßen stimmt.

Ölmarkt

Der Ölmarkt verändert sich, die Opec hat ihre ordnende Rolle verloren. 
Im Jahr 2011 war es so weit. Die Internationale Energieagentur erklärte, nun sei das viel diskutierte Ölfördermaximum (peak oil) in der Welt erreicht. Die meisten Analysten gingen davon aus, dass sich die Ölreserven dem Ende zuneigen, leiteten daraus steigende Preise und Konflikte um die knapper werdenden Reserven ab. 

David King, wissenschaftlicher Chefberater der britischen Regierung, sprach gar von bevorstehenden „Kriegen um Ressourcen“. Der bis 114 Dollar (Juni 2014) hochgetriebene Ölpreis ermöglichte der Industrie die Erschließung neuer, bis dahin unrentabler Projekte durch Tiefseebohrungen, Schieferölförderung und Ölsandnutzung. Das Angebot überstieg plötzlich die Nachfrage, die Preise stürzten bis Februar 2016 um 70 Prozent ab. Auch wenn sie seitdem wieder etwas angezogen haben und die globale Produktion im Juni unter der des Vorjahres lag, bleibt die Lage im Kern unverändert: Die Ölproduktion ist höher als der Bedarf. Hätte es die Bombardierung der Trans Forcados Pipeline in Nigeria nicht gegeben, würden Angebot und Nachfrage noch weiter auseinanderklaffen. Die Ölspeicher sind weltweit mit über drei Milliarden Fässern gefüllt, 222 Millionen mehr als vor einem Jahr.

Krise italienischer Banken: Söder warnt vor Bankenkrise

Aktien, Anleihen, Fonds: Die Anlagetipps der Woche KW 21

Marc Faber im Interview: Die Situation in China wird schlecht ausgehen

Draghi

-Chef Mario Draghi ist böse Überraschungen gewöhnt. Die Euro-Zone ist so labil, dass selbst kleine Erschütterungen die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht bringen können. 2016 droht gleich von mehreren Seiten Ungemach: Die Krise in den Schwellenländern, die Zinswende in den USA aber auch die politischen Umwälzungen in Europa könnten das ohnehin schwache Wachstum in der Euro-Zone abwürgen. Das würde die EZB unter Zugzwang setzen.
Das wohl größte Risiko ist die Krise in den Schwellenländern. Dort liegt die private Schuldenquote inzwischen bei rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung – und damit deutlich höher als vor dem Ausbruch der Schwellenländer-Krise 1997/98. Besonders bedrohlich ist die Lage in China. Dort ist vor allem die Verschuldung der Unternehmen seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 rasant gestiegen.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet deshalb, dass viele staatliche Unternehmen in China zunehmend unter Stress geraten. Die chinesische Wirtschaft werde deshalb für mehrere Jahre vergleichsweise wenig wachsen. Auch für andere Schwellenländer könnte die hohe Verschuldung des Privatsektors zum Problem werden. Das würde vor allem die exportabhängige deutsche Wirtschaft hart treffen, die bisher der Motor des Wachstums in der Euro-Zone ist.
Das zweite Risiko ist die Zinswende in den USA. Die US-Notenbank Fed hat am Mittwoch erstmals seit fast zehn Jahren den Leitzins angehoben. Damit laufen die beiden größten Notenbanken der Welt in unterschiedliche Richtungen: Während die Fed in der Geldpolitik die Zügel strafft, hat die EZB sie erst im Dezember erneut gelockert. Bislang hat es das nur sehr selten gegeben.
Die Frage ist: Kann sich die Euro-Zone von dem Trend in den USA völlig abkoppeln? Denn wenn in den USA die langfristigen Zinsen steigen, könnte das auch in Europa passieren, obwohl die Wirtschaft hier schwächelt.
Kurz vor der Zinserhöhung in den USA hatte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet im Handelsblatt-Interview dies als Risiko bezeichnet. Die Märkte wüssten noch nicht, wie sich die Wende in der US-Geldpolitik auf die langfristigen Zinsen und die weltweiten Anleihemärkte auswirke, sagte er. Dies sei offenkundig mit Unsicherheit verbunden.
Das dritte Risiko ist die politische Instabilität in Europa. In der Flüchtlingskrise haben sich bereits große politische Differenzen gezeigt. Euroskeptische Parteien sind in vielen Ländern im Aufwind. Die offenen Grenzen innerhalb Europas stehen zur Disposition. Zudem könnte sich Großbritannien von der EU abspalten.
Zuletzt hat der britische Premier Cameron angedeutet, dass er das Referendum über den Verbleib in der EU schon 2016 abhalten könnte. „Ich glaube, dass 2016 das Jahr sein wird, in dem wir erreichen, dass das britische Verhältnis zur EU fundamental verändert und auf die Sorgen der Briten über unsere Mitgliedschaft eingegangen wird“, sagte er jüngst. Bei einem solchen Referendum steht für beide Seiten – Großbritannien und die restlichen EU-Länder – wirtschaftlich viel auf dem Spiel. Ein Austritt würde für große Unsicherheit sorgen.
Das alles ist kein angenehmes Umfeld für EZB-Chef Mario Draghi. Erst im Dezember hat er die Geldpolitik in der Euro-Zone erneut gelockert. Die Märkte reagierten jedoch enttäuscht, weil sie mehr erwartet hatten. Eine weitere große Geldspritze der EZB ist damit aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Angesichts der großen Risiken könnte es durchaus sein, dass Draghi 2016 noch einen Schritt weiter geht.