Krise italienischer Banken: Söder warnt vor Bankenkrise

Aktien, Anleihen, Fonds: Die Anlagetipps der Woche KW 21

Marc Faber im Interview: Die Situation in China wird schlecht ausgehen

Draghi

-Chef Mario Draghi ist böse Überraschungen gewöhnt. Die Euro-Zone ist so labil, dass selbst kleine Erschütterungen die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht bringen können. 2016 droht gleich von mehreren Seiten Ungemach: Die Krise in den Schwellenländern, die Zinswende in den USA aber auch die politischen Umwälzungen in Europa könnten das ohnehin schwache Wachstum in der Euro-Zone abwürgen. Das würde die EZB unter Zugzwang setzen.
Das wohl größte Risiko ist die Krise in den Schwellenländern. Dort liegt die private Schuldenquote inzwischen bei rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung – und damit deutlich höher als vor dem Ausbruch der Schwellenländer-Krise 1997/98. Besonders bedrohlich ist die Lage in China. Dort ist vor allem die Verschuldung der Unternehmen seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 rasant gestiegen.
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet deshalb, dass viele staatliche Unternehmen in China zunehmend unter Stress geraten. Die chinesische Wirtschaft werde deshalb für mehrere Jahre vergleichsweise wenig wachsen. Auch für andere Schwellenländer könnte die hohe Verschuldung des Privatsektors zum Problem werden. Das würde vor allem die exportabhängige deutsche Wirtschaft hart treffen, die bisher der Motor des Wachstums in der Euro-Zone ist.
Das zweite Risiko ist die Zinswende in den USA. Die US-Notenbank Fed hat am Mittwoch erstmals seit fast zehn Jahren den Leitzins angehoben. Damit laufen die beiden größten Notenbanken der Welt in unterschiedliche Richtungen: Während die Fed in der Geldpolitik die Zügel strafft, hat die EZB sie erst im Dezember erneut gelockert. Bislang hat es das nur sehr selten gegeben.
Die Frage ist: Kann sich die Euro-Zone von dem Trend in den USA völlig abkoppeln? Denn wenn in den USA die langfristigen Zinsen steigen, könnte das auch in Europa passieren, obwohl die Wirtschaft hier schwächelt.
Kurz vor der Zinserhöhung in den USA hatte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet im Handelsblatt-Interview dies als Risiko bezeichnet. Die Märkte wüssten noch nicht, wie sich die Wende in der US-Geldpolitik auf die langfristigen Zinsen und die weltweiten Anleihemärkte auswirke, sagte er. Dies sei offenkundig mit Unsicherheit verbunden.
Das dritte Risiko ist die politische Instabilität in Europa. In der Flüchtlingskrise haben sich bereits große politische Differenzen gezeigt. Euroskeptische Parteien sind in vielen Ländern im Aufwind. Die offenen Grenzen innerhalb Europas stehen zur Disposition. Zudem könnte sich Großbritannien von der EU abspalten.
Zuletzt hat der britische Premier Cameron angedeutet, dass er das Referendum über den Verbleib in der EU schon 2016 abhalten könnte. „Ich glaube, dass 2016 das Jahr sein wird, in dem wir erreichen, dass das britische Verhältnis zur EU fundamental verändert und auf die Sorgen der Briten über unsere Mitgliedschaft eingegangen wird“, sagte er jüngst. Bei einem solchen Referendum steht für beide Seiten – Großbritannien und die restlichen EU-Länder – wirtschaftlich viel auf dem Spiel. Ein Austritt würde für große Unsicherheit sorgen.
Das alles ist kein angenehmes Umfeld für EZB-Chef Mario Draghi. Erst im Dezember hat er die Geldpolitik in der Euro-Zone erneut gelockert. Die Märkte reagierten jedoch enttäuscht, weil sie mehr erwartet hatten. Eine weitere große Geldspritze der EZB ist damit aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Angesichts der großen Risiken könnte es durchaus sein, dass Draghi 2016 noch einen Schritt weiter geht.

Thieme

WirtschaftsBlatt: Wo legen Sie selbst Ihr Vermögen an? Eher im Dollar- oder im Euroraum?
Heiko Thieme: Da ich sowohl in Amerika als auch in Europa lebe, sind meine Anlagen breit gestreut und schließen auch Asien und Lateinamerika mit langfristigen Direktinvestitionen ein. Meine liquideste Position halte ich im Whisky. (lacht)
Welchen Whiskey haben Sie da?
Ich habe 1974 ein Fass mit Malt Whiskey von Macallan um 110 Pfund gekauft. Ihn habe ich 2007 in 238 Flaschen abgefüllt. Obwohl der Alkoholgehalt mit 38 Prozent etwas unter dem Minimum von 40 Prozent für Whisky liegt, bewertet ihn Jim Murray, der Verfasser der Whisky-Bibel, als einen der besten. Vergleichbare Flaschen werden heute um bis zu 10.000 € gehandelt.
Trinken Sie ab und zu ein Glas?
Wenn Freunde kommen, trinken wir einen. Ein Glas ist circa 700 € wert. Aber bei der Gelegenheit verlange ich natürlich nichts. Das Leben ist zu kurz, um nur zu horten. Dennoch wäre mir ein Whisky um 10.000 € zu teuer, da es bereits sehr gute Whiskys unter 75 € pro Flasche gibt. Ich kaufe auch Wein bei Lidl und schaue bei Joghurt auf den Preis. Meine Armbanduhr hier hat 8,50 € gekostet. Ich habe jetzt in Spanien für neun Tage einen Fiat Panda bei Europcar gemietet. Raten Sie einmal, was das gekostet hat.
Ich weiß nicht, 250 € vielleicht?
Nein, 6,50 €. Ich bin ein Mensch, der immer auf den Preis achtet. Das ist mein Beruf. Auch als Anlagestratege müssen Sie günstige Gelegenheit erkennen.
Passend: Die beste Uhr der Welt kommt aus Kärnten
Sie hatten vorhin bei einem Vortrag gemeint, Sie würden keine Anleihen kaufen. Warum nicht?
Richtig. Denn, wenn der Zins steigt, fällt der Wert ihrer Anleihe. Wenn zehnjährige Staatstitel aus Deutschland in zwei oder drei Jahren von unter einem Prozent Rendite auf drei Prozent steigen, erzielen Sie einen Kursverlust von mehr als 30 Prozent. Warum sollen Sie das kaufen, wenn Sie wissen, Sie verlieren Geld? Die Anleihen können auf diesem Niveau nicht bleiben. Daher: keine Rentenpapiere kaufen.
Inkludiert das auch Anleihen aus den Schwellenländern?
Jein. Diese Anleihen weisen oft hohe Renditen auf, allerdings sollte man auf die Bonität achten. Ich bevorzuge generell Anlagen im Aktienbereich und würde daher einen ETF kaufen, der in den BRICS-Staaten in Aktien investiert. Man kann auch auf Chancen in Griechenland und Russland warten, wobei es noch keine Bodenbildung gibt. Wenn sich der Ölmarkt beruhigt, womit ich in der zweiten Hälfte 2016 rechne, sind in Russland 50 Prozent Kursplus möglich.
Oder wenn Putin plötzlich zum Verbündeten des Westens mutiert?
Absolut. Die russische Maschine an der türkischen Grenze abzuschießen war ein Unding. Ich bin selbst Privatpilot und häufig in Grenzgebiete hineingeflogen. Glauben Sie, dass Russland jemals vorhatte, die Türkei zu bombardieren? Dass sich Putin so zurückgehalten hat, ist ein Glück.
Wird Putin nicht nur von der Türkei ungerecht behandelt, sondern auch vom Westen?
Die Isolation und der Boykott waren völlig falsch. Wir treiben mit unserer Politik der Isolation Russland in den fernen Osten. Wir machen ihn zum Verbündeten Chinas. Russland ist das flächenmäßig größte Land der Welt.
Russland ist auch ein großer Ölproduzent. Wird der Preis weiter fallen, oder soll man schon kaufen?
Der Ölpreis könnte noch auf 35 $ fallen, weil wir einen Überschuss haben. Es gibt keine Lagerplätze, um dieses Öl von den Tankern abzupumpen. Es könnte im nächsten Jahr nochmals einen Preissturz von zehn bis 20 Prozent geben. Aber das wäre eine Untertreibung. In den nächsten ein bis zwei Jahren sehe ich den Ölpreis zwischen 60 und 70 $, denn dann kommen wieder Wachstumsfaktoren dazu. Es gibt ja eine gesteigerte Nachfrage, nur ist das Angebot größer.
Ende 2016 wird in den USA gewählt. Sie hatten vorhin wenig Schmeichelhaftes für die Kandidaten übrig. Hillary Clinton sei zwar erfahren, aber fast 70 Jahre alt, die anderen Kandidaten Clowns.
Aus internationaler Sicht ist es fast ein Witz, dass ein Land mit 320 Millionen Einwohnern keine profilierten Leute hat. Der Gouverneur von Ohio zum Beispiel, John Kasich, den ich kenne, ist sehr qualifiziert, aber verkauft sich unmöglich. Er wirkt zu impulsiv. Jeb Bush ist unfähig, einen überzeugenden Wahlkampf zu führen – er tut einem fast leid. Dann gibt es noch einige Religionsfanatiker.
Und Donald Trump?
Es gibt keinen Politiker, der so weitreichende und fragwürdige Thesen wie Trump vertritt. Er nennt China einen Währungsmanipulator und übersieht, dass Amerika mit seiner Nullzinsstrategie ein Zinsmanipulator ist. Amerika hat die Zinsen künstlich auf null getrieben. Das ist Ben Bernankes Verdienst, den ich übrigens sehr schätze.
Welche Aktien gefallen Ihnen in Österreich derzeit am besten?
Ich halte den österreichischen Markt für interessant, aber ich will nicht Eulen nach Athen tragen. Die Bewertung der Einzeltitel überlasse ich meinen österreichischen Kollegen. Ich würde einen ETF kaufen. Vom KGV ist der ATX zwar nicht mehr billig, aber auch nicht überbewertet und notiert noch immer rund 50 Prozent unter seinem Allzeithoch. Erst im nächsten Jahrzehnt werden wir die 5000 Punkte wiedersehen, denn dazu muss der ATX um 100 Prozent steigen.
Angenommen, Sie müssten zwischen drei Länder- oder Branchen-ETF als Langfristinvestment wählen. Welche wären das?
Ich verrate Ihnen jetzt meine globale Strategie. Ich würde auf Zehnjahressicht 25 Prozent des Kapitals in den BRICS-Staaten investieren, 25 Prozent in den MSCI Europa, 25 Prozent in den USA inklusive Kanada, fünf Prozent auf den IT-Sektor setzen, fünf Prozent auf Edelmetalle und die restlichen 15 Prozent in ungefähr zehn Einzeltitel investieren.
Diese würde ich gern hören.
Unter anderem stehen folgende Werte auf meiner Beobachtungsliste: die Deutsche Bank als Erholungskandidat, VW ist trotz aller Skandale substanziell unterbewertet, IBM und Wal-Mart müssen sich neu aufstellen. Im Ölsektor ist Royal Dutch Shell wegen der hohen Dividende interessant, und Schlumberger wegen seiner führenden Technologie im Bohrbereich. Weiters beobachte ich Caterpillar, BASF und Nestlé. Intel hat eine gute Dividende. Dividenden sind langfristig der Treiber auf den Aktienmärkten.
Ich dachte, das sei die EZB?
Die EZB hat für die Aktienmärkte sicher viel Öl ins Feuer gegossen. Deutschland profitiert als Exportnation vom schwachen Euro. Die Gewinne sind etwas künstlich, weil Verbesserungen teilweise von der Währung kommen, und nicht vom Geschäftsvolumen. Ich bin zwar als Optimist bekannt, aber das heißt nicht, dass es in Zukunft keine Börsenbaissen und Rezessionen geben wird. In den USA basiert ein Teil der Gewinne auf Aktienrückkäufen sowie auf Ausgabensenkungen. Dennoch bin ich nicht pessimistisch. Der Dow Jones kann von aktuell unter 18.000 Punkten noch vor Jahresende ein neues Rekordhoch erreichen und 2016 weitersteigen. 2017 oder 2018 wird aber noch einmal die 15.000-Marke getestet, um dann gegen Ende des Jahrzehnts auf 20.000 Punkte zu steigen.

Silvia Federici: Der Kampf um die Gemeingüter

Sie ist super!

http://youtu.be/N0T-cZhVwt8

Immanuel Wallerstein: Die Grenzen des Kapitalismus sind erreicht

Dieses interessante Video habe ich auf YouTube gefunden:

http://youtu.be/h-QRzX2_nrM