Federal-Reserve-Kandidat Summers tritt zurück – WSJ.de

http://www.wsj.de/article/SB10001424127887323981304579077670666849200.html?mod=wsj_share_tweet

Fed-Vorsitz: Obamas Favorit Summers zieht zurück

WASHINGTON—Das Rennen um den Chefposten bei der US-Notenbank Federal Reserve ist wieder offen, nachdem Lawrence Summers – den viele bisher für den wahrscheinlichsten Anwärter auf das Spitzenamt hielten – überraschend seine Kandidatur zurückgezogen hat.

image
Getty Images

Lawrence Summers will nicht mehr für das Amt des US-Notenbankchefs kandidieren.

Er sei „widerwillig zu dem Schluss gekommen“, dass seine mögliche Ernennung eine „erbitterte“ innenpolitische Debatte nach sich gezogen hätte „und nicht im Interesse der Federal Reserve, der Regierung oder letztlich im Interesse der laufenden wirtschaftlichen Erholung der Nation gewesen wäre“, schrieb Summers am Sonntag in einem Brief an US-Präsident Barack Obama, dem ein persönliches Telefonat vorausgegangen war.

Zuvor hatte es wochenlange öffentliche Reibereien gegeben, die Obama zwangen, von seinem Wunschkandidaten abzurücken.

Lobby-Feldzug könnte Obama verärgert haben

Eine andere führende Anwärterin auf den Fed-Vorsitz ist die aktuelle Vize-Chefin der US-Notenbank, Janet Yellen. Sie hat in den letzten Wochen eine Schar von Unterstützern um sich geschart, zu denen Abgeordnete aus Obamas Partei der Demokraten ebenso zählen wie Volkswirte und Frauenrechtlerinnen. Aber der öffentliche Lobby-Feldzug zu ihren Gunsten scheint den Präsidenten verärgert zu haben, sagen Insider aus der Regierung. Es könnte sein, sagen sie, dass Obama jetzt einen ganz anderen Kandidaten ins Auge fassen werde.

Donald Kohn, ein ehemaliger Vize-Vorsitzender der Fed, der heute als führender Wissenschaftler beim US-Thinktank Brookings Institution arbeitet, hat bereits ein Bewerbungsgespräch mit Obama geführt.

Aus Regierungskreisen heißt es, Ex-Finanzminister Thimothy Geithner käme noch in Frage; eine gut unterrichtete Person aus seinem Umfeld hat allerdings am Sonntagabend wiederholt, dass Geithner den Job nicht wolle.

Als Geheimtipp gelten unter anderem Stanley Fischer, ein amerikanischer Staatsbürger, der jüngst seinen Posten als Gouverneur der israelischen Notenbank verlassen hat, sowie Roger Ferguson, der ebenfalls einmal als Vize-Chef der Fed gedient hat.

In einer Erklärung teilte Obama mit, er akzeptiere Summers‘ Entscheidung, und beschrieb ihn als „ein kritisches Mitglied meines Teams“ in einer Zeit, in der seine Regierung sich der „schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression“ haben stellen müssen. Dass die US-Wirtschaft wieder auf einen Wachstumskurs gekommen sei und „wir diesen Fortschritt gemacht haben, den wir heute sehen“, habe zu einem „nicht unwesentlichen Teil an [Summers‘] Expertise, Weisheit und Führungskraft“ gelegen, schrieb Obama.

Am US-Finanzmarkt stiegen die US-Aktienfutures am Sonntagabend nach der Nachricht von Summers‘ Rückzug – viele Anleger hatten mit seinem Namen die Angst verbunden, dass es mit der lockeren Geldpolitik der Federal Reserve bald zu Ende sein dürfte.

Summers galt als ruppig und frauenfeindlich

In den USA war die Debatte um den künftigen Zentralbankchef in den vergangenen Wochen heiß gelaufen. Summers, ein ehemaliger US-Finanzminister, hatte zu Beginn der ersten Amtszeit von Barack Obama dessen Nationalen Wirtschaftsrat geleitet, das wichtigste wirtschaftspolitische Entscheidungsgremium der US-Regierung. Er galt als Wunschkandidat des Präsidenten.

Für seine Kritiker aber war Summers ein Symbol sämtlicher verfehlter Finanzmarktregulierung geworden, die in ihren Augen zur verheerenden Finanzkrise geführt hat. Sie verwiesen auf seinen Ruf, ruppig zu sein, auf seine Nähe zur Wall Street und seine angebliche Frauenfeindlichkeit. Vor allem dieser letzte Vorwurf wog schwer, weil mit Janet Yellen – sollte sie das Rennen machen – erstmals eine Frau die amerikanische Notenbank leiten würde.

Summers Anhänger schimpfen, seine Kritiker würden ein Zerrbild von ihm zeichnen. Yellen hingegen blieb wortkarg in den vergangenen Monaten und erklärte noch beim jährlichen Treffen der US-Notenbanker in Jackson Hole im August, sie glaube nicht, dass sie den Job bekomme.

Wer wird der nächste Fed-Chef?

[SB10001424127887323393804578556861519596072]
Getty Images

In den vergangenen Wochen hat die Kritik des linken Parteiflügels an Präsident Obama schon wegen seiner Position in der NSA-Spitzelaffäre und wegen seines geplanten Syrien-Angriffs deutlich zugenommen – die mögliche Nominierung von Summers zum Fed-Chef hätte das Fass vermutlich zum Überlaufen gebracht und Obama in heftige Debatten verwickelt.

Summers „war ganz klar die erste Wahl des Präsidenten“, sagte ein ehemaliger Spitzenbeamter der Regierung. Aber „nach all den Problemen, die mit der Basis hatten“, hätte eine langwierige Personaldebatte die Sache jetzt „auf die Spitze getrieben“, sagte er.

Die zweite Amtszeit des momentanen Fed-Vorsitzenden, Ben Bernanke, wird am 31. Januar enden. Bernanke hat bereits in Aussicht gestellt, dass er kein drittes Mal antreten will.

—Mitarbeit: Damian Paletta, Peter Nicholas und Jon Hilsenrath

Kontakt zum Autor: redaktion

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: