Goldpreis wird mit Zinsspekulation weiter heftig ausschlagen – WSJ.de

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Goldpreis wird mit Zinsspekulation weiter heftig ausschlagen

Goldanleger brauchen derzeit vor allem eines – starke Nerven. Kannte das Edelmetall über Jahre hinweg nur eine Richtung, könnte 2013 als das Jahr extremer Preisausschläge in die Annalen eingehen. Am Mittwoch stieg der Goldpreis innerhalb weniger Minuten um 50 Dollar, das war der stärkste Anstieg seit viereinhalb Jahren. Am 19. April war der Preis dagegen um 9 Prozent abgestürzt, der stärkste Rückgang an einem Handelstag seit 38 Jahren.

Und die Ausschläge könnten anhalten. Denn das Edelmetall ist zum Spielball der Spekulation geworden, und zwar der Spekulation um die künftige Geldpolitik in den USA. Die Preisbewegungen zeigen, dass der Goldpreis fast nur noch von der Erwartung an die Geldpolitik und damit vom inflationsbereinigten Realzins getrieben wird. Kauft die Notenbank viele Anleihen, sinkt der Realzins. Allein die Erwartung, sie könnte weniger Anleihen kaufen, treibt den Realzins nach oben.

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AFP

Wohin geht der inflationsbereinigte Realzins, das ist die Spekulation, die den Goldpreis derzeit am stärksten treibt.

Im September 2011 lag der Realzins so negativ wie nie, der Goldpreis stieg auf den Rekordstand von gut 1.900 Dollar je Feinunze. Seitdem steigt der Realzins tendenziell und der Goldpreis fällt. Andere fundamentale Einflussfaktoren spielen kaum noch eine Rolle.

Zwar werden immer wieder andere Daten zur Begründung von Goldpreisprognosen herangezogen, so der Bedarf in der Schmuckindustrie oder die Förderkosten der Minen. Diese werden aber überschätzt. Zwar lag der durchschnittliche Förderpreis vor einem Jahr bei etwa 1.300 Dollar je Feinunze. Mit dem Goldpreisrückgang von 1.800 auf knapp 1.400 Dollar haben die Bergbaukonzerne aber Minen mit hohen Förderkosten geschlossen und Investitionen verschoben, damit sind auch die durchschnittlichen Förderkosten gefallen.

Die Schmuckindustrie nimmt zwar rund die Hälfte des Goldangebots auf und hat in den 90er Jahren tatsächlich den Goldpreis bewegt. Doch ihr die derzeitigen Schwankungen in die Schuhe zu schieben, ist nicht angemessen. Ihre Nachfrage war in den vergangenen Jahren ziemlich konstant.

Spekulatives Geld bewegt am stärksten

„Der Goldpreis bewegt sich parallel zu den Käufen und den Verkäufen in den ETFs“, also im so genannten Papiergold, das physisch unterlegt ist, sagt Eugen Weinberg, Rohstoff-Analyst der Commerzbank . Während diese Exchange Traded Funds oder Exchange Traded Commodities über Jahre hinaus Mittelzuflüsse hatten, mussten sie seit Jahresbeginn wegen der Abflüsse fast 800 Tonnen Gold verkaufen, also etwa ein Drittel ihres Bestandes.

Hier und an der US-Rohstoff-Börse Comex, deren Bestände ebenfalls zurückgegangen sind, tummelt sich das spekulative Geld. Bei fallenden und negativen Realzinsen nehmen die Bestände zu, bei steigenden und positiven Realzinsen ab. Möglicherweise wäre der Goldpreis noch stärker gesunken, wenn sich asiatische Anleger nicht anders als die westlichen Spekulanten antizyklisch verhalten hätten. Der größte Gold-Fonds sitzt in London, er hatte auch die größten Abflüsse zu verzeichnen. Laut Studien der australischen Macquarie-Bank ist dieses Gold zunächst in der Schweiz gelandet. Gut die Hälfte davon floss aus der Schweiz dann nach Indien und Hongkong.

„Von Hongkong ging es dann aufs chinesische Festland in die Tresore der chinesischen Notenbank“, sagt Weinberg. Er setzt darauf, dass die chinesische Notenbank auch weiterhin Gold kauft. Denn derzeit hat sie lediglich 1,5 Prozent ihrer Währungsreserven in Gold angelegt. Für angemessen hält Weinberg mindestens 5 Prozent. „Bis sie die erreicht, wird es Jahre dauern“, sagt der Commerzbank-Analyst.

Die günstigen Konjunkturerwartungen und die Annahme, die US-Notenbank werde die Anleihekäufe zurückfahren, waren der Hauptgrund für die Abflüsse aus den ETFs in diesem Jahr. Jetzt profitiert der Goldpreis von der Erwartung, dass die US-Notenbank bei einem sehr lockeren geldpolitischen Kurs bleibt. Goldman Sachs hält nun erst einmal steigende Kurse für möglich, nachdem das Haus erst kürzlich vor Goldpreisen unter 1.000 Dollar je Feinunze gewarnt hatte. Auch Julius Bär meint, die unmittelbaren Abwärtsrisiken dürften zurückgegangen sein.

Weinberg hält den Goldpreis für kaum noch prognostizierbar. „Alle Vorhersagen können schon morgen Makulatur sein“, meint er mit Blick auf die Zinsspekulation. Trotzdem rät er Anlegern, 10 Prozent des Vermögens in Gold zu halten, und zwar als Versicherung gegen nicht vorhersehbare neue Krisen.

Kontakt zum Autor: herbert.rude

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