Wagenknecht zur Staatsverschuldung

müssten wir in einer immer höheren und stärker risikobehafteten privaten Verschuldung und den daraus im Laufe der Zeit immer wieder resultierenden staatlichen Stützungs- und Rettungsaktionen eine wichtige Ursache für ansteigende öffentliche Schulden sehen.

Eine im Februar im Aushängeschild deutscher bürgerlicher Ökonomie, dem

„German Economic Review“,

publizierte Untersuchung scheint nun genau diese alte linke Folgerung empirisch zu bestätigen.

Der Bonner Ökonomieprofessor Moritz Schularick und zwei Kollegen haben nämlich die Entwicklung der Verschuldung von 17 führenden Industrienationen in den Jahren von 1870 bis 2010 untersucht, und zwar sowohl die der staatlichen als auch die der privaten Verschuldung.

Dramatischer Anstieg bei privater Verschuldung

Schularick zeigt zunächst, dass die weithin vorherrschende Meinung, die öffentliche Verschuldung befände sich international auf einem historischen Höchststand, jedenfalls im Schnitt nicht zutrifft. (Abb.1)

Richtig sei vielmehr, dass die Gesamtverschuldung der Industrienationen
, also Privat- und Staatsverschuldung zusammengenommen, im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt derzeit den höchsten Stand seit 1870 erreicht hat und insbesondere seit 1970 dramatisch angestiegen ist, nämlich um 110 Prozentpunkte.

Die Ursache dafür liege aber weniger im staatlichen als im privaten Sektor

Nur ein Drittel
des Anstieg seit 1970 sei auf die anwachsende öffentliche Verschuldung zurückzuführen, der „überwältigende Anteil des Anstiegs“ rührt nach den Untersuchungen Schularicks von einer „höheren Kreditaufnahme der privaten Haushalte und Unternehmen“ her. Dennoch werde die wichtige Rolle der privaten Verschuldung im Verhältnis zur Staatsschuld in der derzeitigen Debatte stark vernachlässigt.

Enge Beziehung zwischen Bankkrisen und Verschuldung

Ein Versäumnis – denn, wie die Ökonomen Oscar Jorda (Federal Reserve Bank San Francisco) und Alan Taylor (University of California) zusammen mit Schularick in mehreren neueren Arbeiten gezeigt haben,

besteht ein weitaus engerer empirischer Zusammenhang zwischen privater Verschuldung und den Finanzkrisen als zwischen den Finanzkrisen und den Staatsschulden.

Der Bonner Professor: „Blicken wir zurück auf 140 Jahre Wirtschaftsgeschichte, so zeigt sich, dass Finanzkrisen nur sehr wenig mit öffentlichen Schulden zu tun gehabt haben“.

Auf der anderen Seite – das hätten Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff schon vor ein paar Jahren gezeigt – bestehe aber eine enge Beziehung zwischen Bankkrisen und einem darauf folgenden Anstieg der öffentlichen Verschuldung.

Die Harvard-Ökonomen berechneten im Schnitt einen Anstieg der Staatsschulden um 86 Prozent im Vergleich zum Vorkrisen-Niveau.

Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, so Schularick, seien in den fortgeschrittenen Industrieländern
privat induzierte Finanzkrisen zu einem Hauptrisikofaktor für die Stabilität der öffentlichen Haushalte geworden.

Mit anderen Worten: „Abgesehen von Kriegszeiten, hatten Finanzkrisen typischerweise ihren Ursprung im privaten Sektor, während die Kosten sozialisiert worden sind.“

Fazit: Neue Studien zeigen, dass die private Verschuldung in den vergangenen 140 Jahren weitaus stärker angestiegen ist als die staatliche, und verweisen auf den privaten Sektor als den Hauptverantwortlichen für die wiederkehrenden Finanzkrisen. In der Folge erscheint die seit 1970 international stark anwachsende Staatsverschuldung zu einem nicht unwesentlichen Teil – aber natürlich nicht allein – als das Ergebnis privater Verluste. In dieser Hinsicht haben die Linken recht, selbst wenn man ihre politischen Folgerungen nicht teilen mag.

Note: Zwei rote Sterne für Sahra Wagenknecht

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