Bank-Aktien : Die Deutsche Bank ist ein großer Wertvernichter – NachrichtenGeld – DIE Welt

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Die Deutsche Bank ist ein großer Wertvernichter

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Die Deutsche Bank belegt Rang 44 der größten Geldhäuser der Welt Die Deutsche Bank belegt Rang 44 der größten Geldhäuser der Welt (Foto: Infografik Die Welt ) Von Daniel Eckert und Holger Zschäpitz

Aktionäre deutscher Geldhäuser hatten in den letzten Jahren wenig zu lachen. Die Kapitalerhöhung der Deutschen Bank verschlechtert die Lage weiter. Doch manche setzen auf eine spektakuläre Wende.

Acht Milliarden Euro. An den Weltfinanzmärkten ist das ein Taschengeld. Doch mit diesem Taschengeld, den sprichwörtlichen „Peanuts“, kann man in diesen Zeiten ein Viertel der Deutschen Bank kaufen. Dabei ist die Deutsche Bank nicht irgendein Institut. Für viele Menschen hierzulande ist sie der Inbegriff des Kreditinstituts schlechthin, und der Name steht immerhin für das größte Geldhaus der viertgrößten Industrienation der Welt.

Acht Milliarden, das ist der Betrag, um den die Deutsche Bank ihr Kapital aufstocken will, wie der Konzern am Sonntag mitteilte. Das Institut verkauft die Kapitalerhöhung als wichtigen Schritt, um sich für die Zukunft zu rüsten. Denn diverse regulatorische Änderungen machen es notwendig, dass die Geldhäuser ihr Kapital aufstocken, um weiter an den Kapitalmärkten mitmischen zu können.

Doch für die Aktionäre ist die Kapitalerhöhung erst mal ein weiterer Rückschlag: Mehr Aktien bedeuten weniger Gewinn und folglich weniger Dividende je Anteilschein. Denn der gleiche Ertrag verteilt sich auf mehr Aktien. Das ist nur eine weitere Belastung in einem Umfeld, in dem regulatorische Verschärfungen und Stresstests die gesamte Branche durchschütteln, vor allem aber auch die relativ kapitalschwachen deutschen Banken zu erheblichen Anstrengungen zwingen.

Zweitschlechtester Titel im Dax

Mit ihren Papieren hatten die Aktionäre der 1870 gegründeten Deutschen Bank in den vergangenen Jahren wenig Freude: 2014 ist die DBK, wie sie auf dem Parkett abgekürzt wird, der zweitschlechteste Titel im Dax, und auf Sicht von zwölf Monaten ist sie mit einem Minus von 20 Prozent sogar die schlechteste im ganzen Börsenbarometer. Der Leitindex notiert aktuell nur knapp unter seinem Rekordhoch von 9810 Punkten. Die Deutsche Bank ist heute mehr als zwei Drittel weniger wert als 2007, dem Jahr vor der Finanzkrise.

Schmerzhaft ist der Abstieg des allzu gerne „Branchenprimus“ genannten Instituts im internationalen Vergleich. Aktuell bringt der Konzern lediglich 31 Milliarden Euro auf die Waage und rangiert damit weltweit nur auf Rang 44 aller Geldhäuser. Die relative Schrumpfung der Deutschen ist ein Ergebnis der Finanzkrise und der Euro-Schuldenkrise.

Doch ironischerweise wird das größte Geldhaus der soliden Bundesrepublik weithin von den Instituten der vermeintlich unsoliden Euro-Südländer in den Schatten gestellt. In Europa ist die Deutsche Bank nur mehr eine mittlere Hausnummer. Der wahre Branchenprimus auf dem Kontinent ist die Banco Santander aus Spanien, die es mit einem Börsenwert von 85 Milliarden Euro auf Rang elf der Weltrangliste bringt. Der Börsenwert ist der Wert aller Aktien zusammengerechnet, kurz, die Zahl der Papiere, multipliziert mit dem aktuellen Kurs.

Santander und BNP Paribas sind die Schwergewichte

Das zweitgrößte Institut der Alten Welt ist die französische BNP Paribas mit 65 Milliarden Euro Marktkapitalisierung, und das, obwohl Frankreich ökonomisch schon lange als Sanierungsfall gilt. Selbst das hoch verschuldete Italien kann mit der UniCredit eine Großbank aufbieten, die mehr Gewicht auf die Waage bringt. Dass die Schweizer die Deutsche Bank in Gestalt der UBS (Marktkapitalisierung: knapp 55 Milliarden Euro) in die Tasche stecken, wundert nicht mehr.

Wie tief die Deutsche Bank im Ansehen der Investoren gesunken ist, lässt sich nicht nur am Börsenkurs ablesen, sondern vor allem auch an dem Kurs/Buchwert-Verhältnis, der dem Konzern zugebilligt wird. Dieses ist bei der Deutschen Bank niedriger als bei fast allen anderen europäischen Banken.

Aktuell billigen die Marktakteure der Deutschen Bank lediglich ein Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,60 zu. Das bedeutet, dass die Aktiva der Bilanz im Schnitt nur zu 60 Prozent als werthaltig anerkannt werden. Das signalisiert ein beträchtliches Misstrauen der Investoren gegenüber dem Geschäftsmodell der Deutschbanker.

Immer wieder Skandale

Einer, der die Aktie skeptisch sieht, ist Michael Helsby. Der Analyst der Bank of America Merrill Lynch rechnet nicht damit, dass die Deutsche Bank diesen Bewertungsabschlag schnell wird abbauen können. Er erwartet, dass sich das DBK-Papier auch in Zukunft schlechter entwickeln wird als die Aktien der meisten Konkurrenten.

Ein Grund liegt darin, dass es in zu vielen Geschäftsbereichen der Deutschen im Argen liegt. Immer wieder tauchte der Name im Zusammenhang mit Manipulationen und Skandalen auf, ging es um die Libor-Manipulation oder das Gold-Fixing.

„Ein Teil der Kapitalerhöhung könnte gleich in die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten gelenkt werden“, sagt Nick Baker, Bank-Analytiker bei Goldman Sachs. Damit können die Frankfurter keinen Cent zusätzlich verdienen, es ist wie die Beseitigung von Altlasten.

Schwaches Kurs/Buchwert-Verhältnis

Dazu kommen weitere Aufstockungen, die notwendig sind, damit der Konzern künftig auch in Amerika aktiv sein kann: „Die US-Notenbank Fed hat die Kapitalanforderungen für die Vereinigten Staaten so angesetzt, dass es für nicht amerikanische Institute nicht mehr besonders attraktiv ist, dort Geschäft zu machen“, sagt Baker, der das Papier der Deutschen Bank zum Verkauf empfiehlt.

Wie sehr das Vertrauen in das Geschäftsmodell der Deutschen angeknackst ist, zeigt einmal mehr der Blick auf die Bewertung: Dem spanischen Konkurrenten Santander billigen die Investoren trotz aller Probleme im Immobilienmarkt der Iberischen Halbinsel ein Kurs/Buchwert-Verhältnis von 1,2 zu, also ein doppelt so hohes wie das der Deutschen. Sogar die italienische UniCredit wird mit 0,7 besser bewertet.

An der Börse konnte sich vor allem die Santander gut entwickeln. Im Durchschnitt brachte das Papier in den vergangenen drei Jahren Anlegern eine Jahresrendite von sieben Prozent.

Hälfte der Analysten empfehlen Deutsche Bank

Allerdings gibt es nicht wenige Analysten, die der Meinung sind, dass der Kurs der Deutschen inzwischen zu viel gelitten hat und alle möglichen negativen Szenarien eingepreist sind. So empfehlen aktuell 22 von 45 Analysten das Papier zum Kauf, bei Santander sind es nur sieben von 43.

Die Aktie der Commerzbank könnte ein Beispiel liefern, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Im Sommer 2013 war der Titel bis auf unter sechs heruntergeprügelt. Dann drehte die Stimmung innerhalb kurzer Zeit: Binnen eines halben Jahres schoss der Kurs auf 14,50 Euro.

„Die Deutsche-Bank-Aktie ist eine Wette darauf, dass das Investmentbanking, also vor allem das Geschäft mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen wieder anspringt“, sagt Michael Helsby, Analyst bei der Bank of America Merrill Lynch. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Aber es gibt auch keine Garantie dafür, dass es nicht dazu kommt.

Im positiven Fall wird sich mancher Investor vielleicht fragen, warum er sich die Deutsche-Bank-Aktie nicht zu einem Kurs/Buchwert-Verhältnis von 0,60 geschnappt hat.

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