Dax

Mit einem Rutsch unter 9000 Punkte setzt der Dax seine Abwärtsbewegung fort. Wie tief die Kurse fallen können – und wann Aktien wieder interessant sind.

Von den Auguren kommt es jetzt immer pessimistischer. Ifo, Sentix, Markit – ein Stimmungsindikator nach dem anderen knickt nach unten. Das allein ist schon kein gutes Zeichen für die nächsten Wochen.

Viel schlimmer aber ist, dass sich die reale Auftragslage verschlechtert. Das bedeutet, dass man schon fest mit schwachen Umsätzen und Gewinnen in den nächsten Monaten rechnen kann. Und dabei hatten die meisten Investoren für den weiteren Jahresverlauf eine deutliche Beschleunigung auf dem Plan.

Nun machen Warnungen vor „Nullwachstum“ für dieses Jahr die Runde – angesichts des insgesamt guten ersten Halbjahres impliziert das einen schweren Einbruch in der zweiten Hälfte. Kein Wunder, dass in den Banken derzeit eifrig gerechnet wird und in den nächsten Wochen neue, deutlich niedrigere Gewinnschätzungen veröffentlicht werden. Dass es im Dax beim bisher erwarteten Zuwachs der durchschnittlichen Unternehmensgewinne von gut 20 Prozent bleibt, ist unwahrscheinlich.

Auffallend vorsichtig ist auch Mario Draghi geworden. Eindringlich warnt er vor den Folgen der Ukraine-Krise. Immerhin können Anleger als sogar als kleines Sicherheitspolster werten: Wenn es wirklich knüppeldick kommt und die Wirtschaft auch in starken Regionen wie Deutschland einbricht, ist die Notenbank zu Stelle – mit welchen Maßnahmen auch immer. Kurzfristig, das war den Worten Draghis am Donnerstag zu entnehmen, ist aber mit keinen besonderen Liquiditätsschritten zu rechnen.

Die Gewinnhochrechnungen werden zusammengestrichen

Bei rund 600 Euro lagen die Nettoerträge der Dax-Unternehmen im vergangenen Jahr, wenn man den Indexstand wie eine Aktie betrachtet (und dementsprechend den Gewinn je Index berechnet). Bisher lagen die Erwartungen für 2014 bei 720 bis 750 Euro. Das wäre in der Tat ein deutlicher Anstieg von mehr als 20 Prozent gewesen.

Nun, im ersten Halbjahr lief es gar nicht schlecht, das zeigt auch die aktuelle Berichtssaison. Wahrscheinlich sind es rund 360 Euro Gewinn geworden. Das wäre im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 ein Plus von mehr als 12 Prozent. Um also auf die bisherigen 20 Prozent oder mehr zu kommen, müssten die Unternehmen im zweiten Halbjahr noch höhere Gewinne als im ersten Halbjahr erzielen. Das aber ist angesichts der politischen Krisen, der kippenden Stimmung und der schrumpfenden Auftragslage ziemlich unwahrscheinlich geworden.

Wo könnten die Gewinne nun im zweiten Halbjahr etwa landen? Bisher pendeln die Erwartungen um 370 Euro. Wenn es in den nächsten Monaten gesamtwirtschaftlich zu einer spürbaren Abkühlung kommt, könnte das die effektiven Gewinne etwa um 10 bis 20 Prozent drücken. Das wären dann, wenn man etwas vorsichtiger rechnet, rund 300 Euro Gewinn. Zusammen mit dem ersten Halbjahr ergäbe das dann etwa 660 Euro Gewinn im Index. Das wäre immer noch ein deutliches Plus gegenüber 2013, aber eine Ernüchterung im Vergleich zu den hochfliegenden Ursprungsprognosen.

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