Der Fall des Euro

Viel ist ja noch gar nicht passiert. Der Euro ist in dieser Woche gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten gefallen. Aber diese Schwäche hält sich doch sehr in Grenzen. Seit dem Jahreshoch im Mai ist der Kurs gerade mal von 1,39 auf 1,33 Dollar pro Euro zurückgegangen. Der gewichtete Wechselkurs gegenüber den 20 wichtigsten Handelspartnern der Eurozone ist seit Mai nur um rund drei Prozent gesunken. Das ist für sich genommen nicht der Rede wert.

Darüber zu reden ist aber trotzdem, weil diese kleine Bewegung vielleicht erst der Anfang einer größeren ist. Zwischen den USA und der Euro-Zone öffnet sich gerade eine deutlich sichtbare Konjunkturschere: Während drüben in Amerika (und übrigens auch in Großbritannien) vieles für einen robusteren Aufschwung spricht, ist der größte Teil von Euroland erst soeben wieder in die Stagnation zurückgesunken. Die kleinen Erfolgsgeschichten von der Euro-Peripherie reichen längst nicht aus, um den ganzen Kontinent anzuschieben.

Setzt sich dieses Muster fort, dann werden die Zinsen in der Euro-Zone noch auf absehbare Zeit am Boden bleiben, während das Kapital bei den Angelsachsen wieder mehr verdienen kann. Schon jetzt bringen zehnjährige Staatsanleihen der USA fast anderthalb Prozentpunkte mehr als die deutschen, die sich zuletzt mit weniger als einem Prozent verzinsten. Die US-Zentralbank Fed, die gerade ihre jährliche Expertenkonferenz in Jackson Hole abhält, wird die Politik der expansiven Anleihekäufe (Quantitative Easing) wohl in den nächsten Monaten beenden. Das spricht für einen stärkeren Dollar und einen schwächeren Euro.

Hinzu kommt aber noch ein zweiter Faktor: Für die Europäer ist eine Abwertung des Euro womöglich bald der einzige verbleibende Hebel, mit dem ein fatales Absacken Italiens und Frankreichs gebremst werden kann. Denn alle anderen Instrumente der Angebots- und Nachfragepolitik wirken entweder viel zu langsam oder sind nach den Euro-Regeln verboten.

Reformprogramme und die Bereinigung der Schuldenprobleme sind zwar dringend notwendig, aber es braucht Zeit, bis sie beschlossen sind und ihre Wirkung entfalten. Die EZB kann keinen Konjunkturimpuls mehr herbeizwingen: Ihre konventionellen Instrumente hat sie ausgereizt, die Zinsen können kaum weiter fallen; die Forderungen nach Quantitative Easing im Fed-Stil sind in Europa höchst umstritten. Auch höhere Haushaltsdefizite für die fiskalische Stützung der Nachfrage lassen die Euro-Regeln nicht zu.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: